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Die Blutegeltherapie

Blutegel an Othämatom

Der Blutegel:

Für therapeutische Zwecke kommt der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) zum Einsatz.

 Der Blutegel ist ein sehr umweltempfindliches Tier, kann nur in absolut sauberen Gewässern leben und toleriert keine Umweltverschmutzungen. Gehalten wird er in chlorfreiem Wasser und bedarf einer guten Pflege.

Für therapeutische Zwecke eingesetzt, ist er sehr empflindlich auf verschiedenste Umweltreize wie Seife, Desinfektionsmittel, Kälte,  aber auch Zigarettenrauch.

 Der Blutegel hat 2 Saugnäpfe, wovon einer der Befestigung dient, der andere die Mundwerkzeuge enthält, welche zur Blutmahlzeit benötigt werden.

Der Saugakt dauert durchschnittlich ca. 30 Minuten (10 Minuten bis zu 2 Stunden), wobei pro Blutegel zwischen 5-10 ml Blut aus dem Wirt aufgenommen wird. Das 4- bis 5-fache davon kann dem Patienten aber noch als Nachblutung entzogen werden.

Wegen des Blutverlusts wird die Anzahl eingesetzter Blutegel auf Gewicht und Grösse eines Tieres abgestimmt.

 Wirkung des Blutegelbisses:

Der Blutegelbiss hat grundsätzlich eine Doppelwirkung: einerseits die heilsame Wirkung des Substanzcocktails im Blutegelspeichel, andererseits die entstauende

Wirkung durch Absaugen und Aderlass.

 Die im Blutegelspeichel enthaltenen Substanzen haben eine gerinnungshemmende Wirkung, sind entzündungshemmend und schmerzlindernd, sowie gefässerweiternd und lymphstrombeschleunigend. Andere enthaltene Stoffe sind immunisierend und antibiotikaähnlich.

 Das bis zu 24 Stunden dauernde Nachbluten sollte keinesfalls unterbrochen werden, da es nebst einem sanften Aderlass auch eine Reinigung der Bisswunde vor Sekundärinfektionen bewirkt.

 Damit der Blutegel “de facto sterile Wunden“ setzen kann, sollte er nur einmal zu therapeutischen Zwecken verwendet werden.

 Indikationen für die Blutegeltherapie:

Alle Formen von Entzündungsprozessen, sowie bei Störungen der Blutzirkulation.

Blutegel an entzündeter Wunde

Blutegeltherapie ist empfehlenswert bei: 

- Gelenksentzündungen
- Arthrosen (HD, ED)
- Sehnen(scheiden)entzündungen
- Akuten Diskopathien (nur beim Hund)
- Spondylitis, Cauda equina
- Blutergüssen, Quetschungen, Prellungen
- Thrombosen, Ödeme
- Abszessen, Furunkeln, Phlegmonen
- Bisswunden
- schlecht heilenden Wunden
- Othämatomen (Blutohr)
- Maulhöhlenentzündungen (bei der Katze; unter Sedation). 

Kontraindikationen sind: Anämische Tiere, sowie erheblich immunsupprimierte Tiere (Achtung: Kortisontherapien) und geschwächte Tiere.

 

© med.vet. Fabienne Fust, 2008

 

 

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