Durch Zecken übertragene Krankheiten bei Haustieren
Teil 2
Im Teil 1 orientierten wir Sie aufgrund der Häufung von Babesiose-Fällen im Raum Dotzigen über diese Erkrankung, die in unserer Region vorher fast ausschliesslich als sogenannte Reisekrankheit auftrat, d.h. von den Hunden aus den Ferien im Süden mitgebracht wurde.
In den letzte Wochen ist in unserem Einzugsgebiet eine weitere von Zecken übertragene Krankheit gehäuft aufgetreten.
Anaplasmose = canine granulozytäre Ehrlichiose (CGE)
Symptome: akute Form: Fieber, schlechter Allgemeinzustand, Apathie, Appetitlosigkeit, ev. Gelenksentzündungen, Atemnot Oedeme, Nasen- und Augenausfluss. Es handelt sich hierbei um eher unspezifische Symptome. Die Infektion kann zu Blutarmut und einer Verminderung der Blutgerinnungsplättchen (Thrombocyten) und weissen Blutkörperchen (Leukocyten) führen.
Daneben gibt es auch eine chronische Form mit milderen Symptomen, häufig spontanen Blutungen.
Erreger: Anaplasma phagocytophilum ist ein Bakterium, das hauptsächlich in bestimmten weissen Blutkörperchen (Granulocyten) vorkommt. Es wird von der Zeckenart Ixodes ricinus übertragen, die in den nordischen Ländern, Grossbritannien, Deutschland Österreich, Polen, Ungarn usw. und den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Nordspanien und Norditalien und der Schweiz vorkommt.
Die Uebertragung erfolgt bereits 6 Stunden nach Festbeissen der Zecken.
Die akute Infektion zeigt sich innert 8 bis 20 Tagen nach Infektion, d.h. nach Zeckenbiss.
Anfällig für diese Erkrankung sind hauptsächlich Mensch, Hund und Pferd.
Diagnose: im Labor kann der Erreger mit verschiedenen Methoden nachgewiesen werden, allerdings nicht mit allen Methoden von Beginn an und auch nicht mit allen ganz zuverlässig.
Therapie / Behandlung: Diese Bakterien können mit dem Antibiotikum Doxycyklin, verabreicht während mindestens 3 Wochen, angegangen werden (bei trächtigen Hündinnen und Junghunden alternativ Chloramphenicol oder Rifampicin). Die zusätzliche Injektion von Carbesia (s. dazu unter Babesoiose) soll die Wirkung von Doxycyclin verstärken und wirkt natürlich auch gegen die oft gleichzeitig vorkommenden Babesien. Die Erreger bleiben häufig über Jahre im Blut nachweisbar.
Prophylaxe / Vorbeugung: Zeckenprophylaxe durch Zeckenhalsbänder und Spot-on-Präparate mit sogenannter Repellent-Wirkung, d.h. Zecken beissen sich gar nicht fest. Zusätzlich lohnt es sich, die Hunde nach dem Spaziergang auch auf Zecken abzusuchen. Bereits festgebissene Zecken sollten nicht mit den Fingern oder einer klemmenden Zeckenzange entfernt werden, da sie bei Druck Speichel freisetzen, der die Erreger enthalten kann. Stattdessen unbedingt mit einem speziellen “Heber“ entfernen.
Canine Ehrlichiose
Die Ehrlichiose ist eine mit der Anaplasmose verwandte Krankheit, die sehr ähnliche Symptome verursacht, aber durch andere Zecken (hauptsächlich Rhipicephalus sanguineus = braune Hundezecke) übertragen wird und demzufolge v.a. in Mittelmeerländern vorkommt. Entsprechend tritt sie i.d.R. nach einem Urlaub im Süden auf.
Diagnose: Auf Ehrlichiose und Anaplasmose muss separat untersucht werden, obwohl die Erreger verwandt sind.
Therapie und Prophylaxe: wie Anaplasmose
Fortsetzung folgt
Mai 2011, © Dr.med.vet. Renée E. Devaux
